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Stintangeln in der Elbe

(Staustufe bei Geesthacht und Hamburg/Altengamme)
 

Er kommt nur einmal im Jahr und riecht nach frischen Gurken. Er lässt Angler in einem Fangrausch verfallen und wird nur für wenige Wochen als Delikatesse in den Restaurants angeboten. Gemeint ist "Osmerus eperlanus", der kleinste lachsartige Fisch seiner Art. Wir beobachteten eine Woche lang Angler an der Elbe und informierten uns über die Lebensweise des kleinen Kerls, mit dem kurzem Namen  - "Stint".

Steckbrief

Wissenschaftlicher Name (Lat): Osmerus eperlanus
Art: kleinster lachsartiger Schwarm- und Wanderfisch
Größe: bei 12 - 18 cm geschlechtsreif, selten über 20 cm
Alter: bei 3 - 4 Jahren geschlechtsreif, Höchstalter 6 Jahre
Farbe: mit silbrig glänzendem Bauch und Seiten, Grünschimmerndem Rücken
Vorkommen (europäische Art): Nord- und Ostsee und in deren Zuflüssen
Vermehrung:

Vor der Wanderung zum Ablaichen, sammeln sie sich einige Zeit in den nahrungsreichen Flussmündungsbereichen. Dringt im Februar bis April in den Unterlauf der Flüsse ein, um dort über kiesig-sandigem Grund zu laichen. Nach dem Ablaichen haften die Eier an unterschiedlichen Bodensubstraten. Die Jungen schlüpfen nach 3-5 Wochen. Die Eltern sterben dann meist ab während die Jungtiere im Frühsommer bis Herbst ins Meer abwandern oder ausgeschwemmt werden.

Besonderheit: stark gurkenartiger Geruch
Geschichte:

Stint als Speisefisch:

Anfang des 19. Jahrhunderts, wurde der Stint mit Netzen am Flussufer der Elbe in Massen gefangen. Der Fang war so reichlich, dass die Bauern Hühner und Küken damit fütterten und den Fisch sogar als Dünger auf den Acker warfen. Nach dem ersten Weltkrieg und Zunahme der Gewässerverunreinigung verschwand der Stint zeitweilig völlig und geriet als Speisefisch bis Anfang der 90er Jahre in Vergessenheit. Ab den 90er Jahren füllte der Stint wieder in Massen die Netze und gilt, vor allem ab den Jahren 1998, in den Speiselokalen als regionale Delikatesse.

   

Stintangeln - Gerät und Montage

   

   

  Tipp zum Stintvorfach

Im Handel werden hauptsächlich Heringspaternoster mit 3 und 5 Haken angeboten. In der Hamburger Elbe und in Schleswig-Holstein sind jedoch nur 2 Haken erlaubt. Beim 3er Vorfach muss daher ein Haken samt Seitenarm entfernt werden. Kostengünstiger ist es, einfach ein 5er Paternoster kaufen und es so durchschneiden, dass 2 Paternoster mit jeweils 2 Haken herauskommen.

   
Stintangeln - Berichte mit vielen Tipps und Infos
 

 

MAUSKLICK

auf die Fotos

Zwischen Februar und April wandert der Stint in die Elbe. Zu welchem Zeitpunkt der Stint an der bevorzugten Angelstelle auftaucht, ist nicht voraussehbar. Also, den Hund ins Auto, Thermoskanne mit Kaffee nicht vergessen und ab ans Wasser zum Testfischen.

Während der Autofahrt über die Elbbrücke sind schon einige Angler am Elbufer erkennbar. Ein gutes Zeichen, denn es spricht sich schnell herum wenn der Stint an den Haken geht.

Die herrliche Dünenlandschaft wird bei auflaufendem Wasser teilweise überschwemmt. Für den Angler bedeutet das, den Angelplatz öfters mal zum Wasser hin verlegen oder, wenn das Wasser kommt, zurückweichen.

Die Angel wird ausgeworfen und mit pumpenden Bewegungen wieder eingeholt. Die Technik ist relativ einfach und mit der Zeit stellt sich das nötige Fingerspitzengefühl von selbst ein. Die ersten zehn Versuche einen Fisch an die Angel zu bekommen, waren erfolglos. Da der Stint in schwärmen herumzieht kann sich jedoch jederzeit ein plötzlicher Fang einstellen.

Der nächste Wurf sollte belohnt werden. Zwei Stinte zappeln an der Angel und werden vorsichtig ans Ufer gezogen.

Im Frühjahr zieht der Stint zum Laichen bis hoch zur Staustufe Geesthacht. Hier, aber auch unterhalb der Staustufe z.B. bei Altengamme und vielen anderen Stellen, kann er an guten Tagen in Massen gefangen werden. Fänge mit bis zu 200 Stinte, an Spitzentagen auch wesentlich mehr, ist oftmals die Tagesausbeute.

Drei prachtvolle Stinte an der Angel (Foto). Außergewöhnlich ist der Geruch der Stinte, der nicht nach Fisch riecht, sondern lecker nach frischen Gurken. Zum fang dieser Fische werden Herings-Hakensysteme (Paternoster) mit nicht mehr als 2 Haken genommen (seit 2009 2 Haken -  das Foto links ist älter) . Um die Fängigkeit zu erhöhen, sind die Haken mit künstlicher Fischhaut, Perlen und Federn verziert. Das Senken ist zu dieser Zeit nicht erlaubt.

"Stint satt" steht zu dieser Zeit auf vielen Speisekarten diverser Restaurants. Inzwischen gibt es zahlreiche Zubereitungsmethoden für den Stint. Klassisch aber, wird er ohne Kopf in Mehl (am besten Roggenmehl) gewendet, dann in der Pfanne mit Butter knusprig gebraten und im Dutzend serviert. Er kann komplett mit Gräten verzehrt werden.

Hier hat sich eine Meerforelle an die Angel verirrt. Ein Zeichen, dass sich die Wasserqualität des Elbestroms wesentlich verbessert hat.

Das war noch nicht doll! bemerkten die Angler und gingen mit ca. 20-30 Fische nach Haus. Am nächsten Tag war das Fangergebnis noch schlechter, jedoch versprachen die Wetterfrösche wärmere Temperaturen bis zu 6 Grad über Null und ein Wetterumschwung soll auch den Stint zum Laichen animieren.

JETZT   GEHT `S   LOS

Um 13:00 Uhr klingelte bei mir zu Haus das Telefon. Mein Angelfreund Tommy war am Handy und sagte nur drei Worte "Jetzt geht`s los". Ich wusste natürlich was er damit meinte, nämlich " Stint satt ". Als ich am Angelplatz ankam, war die Stimmung bei den Anglern riesig und ich sah schon vom weitem die zappelnden silbernen Fische an den Angeln.

Jeder Auswurf der Angel ergab einen Fang von 2 Stinte. Eine solch reichliche Ausbeute ist nur möglich, wenn direkt im Schwarm gefischt wird.

Die Stinte versammeln sich, um dicht gedrängt ihren Laich abzugeben. Dieses Gedrängel  ist auch notwendig weil anzahlmäßig weniger Milchner (männlicher Fisch) als Rogner es gibt und für die Arterhaltung kein männliches Samenextrakt verschwendet werden darf. Von der Buhne aus konnte ich das Treiben der Fische beobachten die vereinzelt aus dem Wasser sprangen und zwischen den Buhnensteinen landeten.

Die Angler befanden sich in einem rauschähnlichen Zustand und waren mehr mit dem abnehmen der Fische beschäftigt als mit dem Angeln selbst.

Manche Angelfreunde verließen schon frühzeitig ihren Angelplatz weil sie keine Unterbringungsmöglichkeiten für den Fisch mehr hatten. Die mitgebrachten Eimer waren schnell gefüllt (ca. 180-200 Stinte pro Eimer).

Außer Stint im Frühjahr, werden im ganzen Jahr vor allem, Zander, Barsch, Aal, Brassen, Rotfedern und Rotaugen gefangen. Sogar Plattfisch, die mit der Tide (auflaufendes Wasser von der Nordsee) hier auftauchen, gehen oftmals an den Haken.

Gefangen werden meistens Stinte mit einer Größe von 12 - 15 cm. Manchmal aber auch Prachtexemplare wie dieser weibliche Stint (Rogner) mit einer Größe von 21 cm.

Zahlreiche Möwen nutzen natürlich die Gelegenheit und stürzen sich in die dicht gedrängten Stintschwärme. Der Stint stirbt nach dem Laichen meist ab und ist so für die Vögel im geschwächten Zustand eine leichte Beute.

Um hier zu Angeln benötigt man eine Fischereiprüfung und gültigem Fischereischein. Hinzu kommt ein Angelerlaubnisschein für die Elbe in Schleswig-Holstein (Strecke Lauenburg Geesthacht). Hier einige Adressen für den Bezug der Angelerlaubnis > LINK < . Mehrmals in der Woche werden hier Kontrollen durchgeführt und Fischwilderei knallhart angezeigt. Erlaubt ist das Angeln mit Systemen die nicht mehr als 2 Haken (seit 2009 - Foto älter) aufweisen. Das Senken ist zu dieser Zeit verboten.

Der Stint wird vom Haken genommen, mit dem Kopf auf den Eimerrand geschlagen und dadurch betäubt und getötet. Zur Aufbewahrung eignet sich am besten ein Eimer mit Deckel und Loch in der Mitte zum einwerfen der Fische.

Wer an diesem Tag hier geangelt hat, der füllte jeden mitgebrachten Eimer bis zum Rand mit Stint.

Die Fangergebnisse waren an den folgenden Tagen sehr unterschiedlich. Der Stint hält sich hier an der Staustufe einige Wochen auf und verschwindet dann genauso schnell wie er gekommen ist.

Für den Angler bedeutet das  - "Petri Heil", jedoch erst wieder im nächsten Jahr.

Stintfang Elbe bei Altengamme

Für 5,50 Euro die Tageskarte (2017), kann man am rechten Elbeufer bei Altengamme sein Anglerglück herausfordern. Zwar sind die Angelstellen nicht so geräumig und bequem wie an der Staustufe bei Geesthacht, wer es jedoch nur auf die silbernen Fische abgesehen hat, wird hier reichlich Beute machen.

Weite Würfe mit der Angel sind hier nicht Notwendig. Der Stint hält sich hauptsächlich in der strömungsschwachen Uferregion auf. Besonders zwischen Buhnen werden gute Fänge erzielt. Das heißt, frühes Erscheinen sichert die besten Plätze.

Obwohl hier beim Angeln ein scheinbares Durcheinander herrscht, sind Konflikte mit dem Nachbar eher selten. Echte Angler sind ja sowieso von übernatürlicher Geduld geprägt und nicht so leicht aus der Reserve zu locken.

Angelkarten und Angelerlaubnis

Ein gültiger Fischereischein ist Grundlage für das Angeln in der Elbe. Gastkarten für die Staustufe gibt es hier > INFO .

Für die Unterelbe bei Altengamme (ab Schleusenkanal wo der alte Elbearm >Staustufe< und der Schleusenkanal bei der Ortschaft Stove zusammenfließen > Karte < ) gibt es folgende Adresse für die Ausstellung von Tages- und Jahreserlaubnisscheine:

Preise 2017: Tageskarte 5,50. Jahreskarte 27,50 Euro.

 

Bergedorfer Angler-Centrum - 21029 HH/Bergedorf - Curslacker Deich 66 - Tel.: 040-79685722  www.bac-hamburg.de

Im Fährhaus - Altengammer Hauptdeich, werden ab 2017 keine Gastkarten mehr ausgegeben.

Zubereitung und Rezepte

Inzwischen gibt es viele Zubereitungsmöglichkeiten und es kommen jährlich neue hinzu. Wir demonstrieren hier einmal die klassische Art wie man Stint schnell und in großen Mengen zubereitet kann.

Mit einer spitzen Schere wird der Kopf direkt hinter den Kiemen schräg abgetrennt. Dann von vorn die Bauchdecke aufschneiden und die Innereien herausnehmen. Einige Restaurants servieren den Stint auch unausgenommen, etwa so wie Sprotten.

Der Stint wird gesalzen und gepfeffert in Roggenmehl gewendet. Falls kein Roggenmehl vorhanden ist kann auch normales Weizenmehl genommen werden. Danach ziehen wir den Stint auf Schahschlickspieße. Mit dieser Methode lassen sich gleich mehrere Stinte bequem in der Pfanne wenden und werden so gleichmäßig gar gebraten.

Gebraten werden die Stinte in Oil oder Butter mit einem Schuss Oil oder in ausgelassenem Speck. Das garen der Stintspieße soll langsam geschehen bis der Fisch eine goldbraune Farbe angenommen hat und schön knusprig ist.

Serviermöglichkeiten gibt es ohne Ende. Uns schmeckt der Stint mit oder ohne Spieß z.B. mit Kartoffelsalat, Bratkartoffeln, Salzkartoffeln oder Kartoffelbrei. Als Beilage und für das Auge, ein wenig Salat verschiedenster Art.

Direkt vom Spieß kann er natürlich auch gegessen werden. Frisch gefangen schmeckt der Stint am besten. Es besteht aber auch die Möglichkeit des Einfrierens, vor allem bei den Fangergebnissen der letzten Tage ist das sowieso notwendig.

Rezepte

 

 

Stint frittiert:

Stint Pfeffern, Salzen,  in Mehl wenden und knusprig frittieren.

 

 

Stint klassisch:

Stint salzen, pfeffern, säuern (Zitrone) und in Roggenmehl wenden. Margarine und gewürfelter Speck in der Pfanne erhitzen. Stint darin goldgelb langsam braten. Anrichten mit Salzkartoffeln, die Braten-Specksauce aus der Pfanne benutzen und grüner Salat.

 

 

Stint in Ei paniert:

Stint salzen und pfeffern. Mit gesiebten Mehl bestäuben. durch aufgeschlagene Eier ziehen und im Paniermehl wenden. In Butter und Öl goldbraun backen.

 

 

Stint sauer aus Omas Zeiten:

Zwiebeln, Mohrrübenstücke, Kümmel und Gewürz in Wasser kochen und durch ein Sieb gießen. In den Sud gibt man Essig und reichlich Salz. Darin kocht man die Stinte dann ca. 7 Min. Folgende Soße wird zubereitet: Speck in Würfeln schneiden, Zwiebelstücke bräunlich braten, mit etwas Mehl bestäuben und kocht dies mit wenig Essig, Salz, Fischbrühe und Zucker zu einer dünnen cremigen Sauce. Diese wird dann mit den vorher gekochten Stinten vermischt.

 

 

 

 

 

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