Flussbauwerke der Elbe

Buhnen

 
 

Buhnen sind Bauwerke, die vom Flussufer aus quer zur Fließrichtung ins Wasser ragen. Sie sind wie kleine Hafenmolen, auf denen man in Richtung Flussmitte gehen kann. 6903 Buhnen gibt es heute an der deutschen Elbe, davon sind ca. 800, weil sie zur Zeit der DDR nicht gepflegt wurden, stark beschädigt und außer Funktion.

 

 

Sinn und Zweck

 

Heute dienen Elbebuhnen hauptsächlich der Schiffbarmachung. Sie kanalisieren das Wasser zur Strommitte (siehe Grafik), dadurch steigt der Wasserspiegel und die Fließgeschwindigkeit nimmt zu. Die erhöhte Fließgeschwindigkeit verhindert das Versanden des Fahrwassers. Ziel der Elbe-Ausbaumaßnahme ist, eine Fahrrinne von mindestens 1,60m Tiefe und 50 m Breite zu erreichen.

Früher dienten Buhnen auch zur Landgewinnung, der Zollabwicklung und zum Schutz der Deiche.

Hinter Buhnen fließt das Wasser langsamer als in der Strommitte, was dazu führt, dass sich mitgeführtes Material absetzt. Buhnenbereiche verlandeten und konnte so zusätzlich von Menschen genutzt werden. Durch das langsamere fließen in den Randbereichen wurde die Uferregion und vor allem Deiche vor Beschädigungen, verursacht durch die sonst starke Strömung, geschützt.

Luftaufnahme des Elbebogens mit Buhnenbauwerke vor Lauenburg

 
 

Wirkungsweise von Buhnen

 

Naturbelassene Elbe

Querschnittseinengung durch Buhneneinbau

Wasserspiegelanstieg und Zunahme der Strömungsgeschwindigkeit

Durch die Zunahme der Strömung wird Segment im Mittelwasser des Flussbetts weggeschwemmt

Endzustand: Die Elbe hat sich tiefer ins Flussbett gegraben der Wasserspiegel sinkt bis ein  neues Gleichgewicht von Sohle und Wasserspiegellage hergestellt ist.

 
 

Wirkung bei Hochwasser

 

Bei vollkommener Überströmung durch Hochwasser entziehen die Buhnen über ihre ganze Länge der Strömung Energie. Deshalb kommt es auch wie im angeströmten Zustand, zur Wasserspiegelanhebung im Fahrwasser der Elbe. Buhnen bremsen bei Hochwasser das Abfließen der Wassermassen was Ortsbedingt zu Überschwemmungen führen kann. Der Buhnenkörper kann durch die Kraft einer Hochwasserflut zerstört werden und somit die Fahrrinne beeinträchtigen. Die ökologische Funktion der Buhnenfelder ist nicht mehr die Gleiche als im milden Strömungsklima. Die Tier und Pflanzenarten hatten im normal Zustand der Elbe im Buhnenfeld die idealen Lebensvoraussetzungen. Diese sind bei großer Strömung nicht mehr gegeben. Außerdem können Anlandungen weggespült, oder umgelagert werden. Buhnen in der Elbe sind daher bei Hochwasser in ihrer Funktion eher kritisch zu betrachten.

 
 

Bauweise

 

Buhnen sind in Pflaster-, Packwerk- und Steinpackungsbauweise ausgeführt, wobei die Packwerkbauweise (Schüttstein auf Kies) aus Kostengründen zumeist am häufigsten Verwendung findet.

Zungenbuhne

 

Es gibt 3 Konstruktionsvarianten:

1. Dreiecksbuhne - in Dreiecksform an der Uferseite eingebaut
2. Flügelbuhne - in Trapezform an der Uferseite eingebaut
3. Zungenbuhne - als schmale Zunge an der Uferseite eingebaut
 

 

 

Zungenbuhne in Pflasterbauweise

 

Naturschutz und Ökologie

Meinungen der Wissenschaftler, Naturschutzverbände und Bürgerinitiativen

 

Das ökologische Potenzial der Elbe war Ergebnis einer teilweise über 40 Jahre lang vernachlässigten Pflege von Strombauwerken. Die Instandsetzung diese Bauwerke bedeutet daher gleichzeitig die Zerstörung des ökologischen Potenzials (NABU).

 

Buhnen werden mitunter als bequeme Alibimaßnahme für einen angeblich naturnahen Ausbau verwendet. Sie sind jedoch künstliche, unflexible und pflegebedürftige Bauwerke, die natürliche Strukturen weder ersetzen noch überflüssig machen können.

 

Eine Folge des Buhnenbaus ist die Vertiefung des Flussbetts. Das führt zum Sinken des Grundwasserspiegels, und die Auwälder trocknen aus. Verhindern könnte man das nur, in dem im Oberlauf ständig Material in den Fluss gekippt wird um das Bett wieder anzuheben. Leider verursacht dieses zusätzlich laufende Kosten.

 

Im Ruhigwasserbereich zwischen den Buhnen setzt sich im laufe der Jahre belastender Elbschlamm ab. Durch außergewöhnliche Flutsituationen wie im August 2002, wird womöglich das Gift aufgewirbelt und über die Auen verteilt.

 

Siehe auch Abschnitt "Wirkung bei Hochwasser".